Lehrformen und Freizeitangebote an der Taras Shevchenko National University of Kyiv

Lehrformen und Freizeitangebote an der Taras Shevchenko National University of Kyiv haben Gemeinsamkeiten, aber auch bemerkenswerte Unterschiede zu den in Deutschland üblichen Gepflogenheiten. Die Uni Kiew kennt ebenso das zweigeteilte Lehrsystem bestehend aus Vorlesungen und Übungen. Von unseren vier Mathe-Kursen begleitet allerdings nur einer die Vorlesung durch einen vierzehntägigen „Practical Part“. Dort werden Übungsblätter besprochen und mitunter muss auch mal ein Student an der Tafel etwas vorrechnen. In unserem Mathe-Seminar stellt nacheinander jeweils ein Student einen Abschnitt aus einem Lehrbuch vor und muss sich dabei immer wieder mit den Rückfragen unserer Professorin Fr. Mishura auseinandersetzen, deren lebhafte Art dem Seminar regelmäßig einen ganz speziellen Nachdruck verleiht. In allen unseren vier Kursen findet die Hauptbewertung in der abschließenden Klausur im Januar statt. Zudem kann es aber vorkommen, dass im Laufe des Semesters mal ein kurzes „Quiz“ stattfindet.

Neben unseren Mathe-Vorlesungen besuchen wir Russisch-Sprachkurse der Uni Kiew, die im Gebäude der Faculty of Philology in der Innenstadt stattfinden. Es gibt hier ein sehr breites Angebot für jedes Sprachniveau von Montag bis Donnerstag bei unterschiedlichen Lehrerinnen (die leider jeweils verschiedene Lehrbücher verwenden).

Ein großer Unterschied zu Deutschland besteht im Bereich E-Learning. An unserer Uni in Kiew findet noch jeglicher Informationsaustausch im Klassenzimmer statt. Eigene Webseiten für die jeweiligen Vorlesungen gibt es hier nicht und Übungsblätter werden höchstens mal per E-Mail verschickt. An der Uni gibt es für Studenten nur einen Raum mit WLAN, welches um 17 Uhr abgeschaltet wird. Weitere Arbeitsräume oder bloß Lernflächen findet man im ganzen Gebäude leider nicht.

Dafür hat unser Wohnheim auf jedem der neun Stockwerke einen eigenen kleinen Arbeitsraum, wofür man den Schlüssel an der Rezeption im Erdgeschoss holen kann. Überhaupt wird hier einiges an die Wohnheime ausgegliedert, was man bspw. in Ulm eher an der Uni erwarten würde. Im Nachbarwohnheim befindet sich eine Kantine, die warmes Essen werktags zwischen 10 und 18 Uhr ausgibt (aber auch an der Uni gibt es eine Mensa). Unser Wohnheim hat im Keller einen modernen und geräumigen Fitnessraum. Wieder ein anderes Wohnheim verfügt über einen Probenraum, in dem sich verschiedene Musikgruppen treffen.

Zwischen den Wohnheimen und der Uni befindet sich auf unserem Campus ein modernes Stadion (das im Frühjahr dieses Jahres eröffnet wurde). Hier trainieren tagsüber und vor allem abends Fußballteams und Leichtathletikgruppen und auf der Bahn ziehen Läufer ihre Runden. In der angrenzenden Sporthalle treffen sich die Indoor-Sportgruppen der Universität. Was das Freizeitangebot der Universität betrifft, sollte man, wie bei vielem anderen, mehr auf persönliche Kontakte setzen als auf das Online-Informationsangebot. Auf diese Weise haben wir etwa auch von den Probenterminen des Universitätschors erfahren, der sich dreimal die Woche (!) im „Red Building“ (Haupt- und Verwaltungsgebäude der Uni in der Innenstadt) trifft und übrigens jener Chor ist, dessen damaliger Dirigent Anfang des 20. Jahrhunderts das berühmte ukrainische Volkslied „Schedryk“ komponierte, heute die Visitenkarte des Chors.

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